Britischer Wohnstil: Ein Königreich und sein Sofa

Der britische Wohnstil ist so ähnlich wie das britische Essen: Über die Jahrhunderte hinweg haben die Briten sich durch die Kolonialherrschaft so viele verschiedene Einflüsse zu eigen gemacht, dass ihre gesamte Kultur ein Sammelsurium ist. Beim Wohnstil scheint der Mix aber viel gelungener, als bei der britischen Küche!

Das britische Wohnzimmer ist ein Multitalent

Ein typisch britisches Wohnzimmer hat immer gleich mehrere Aufgaben: Es ist der Wohnraum für die Familie und soll daher natürlich möglichst viel Behaglichkeit ausstrahlen und den bestmöglichen Komfort bieten. Als Empfangszimmer für die Gäste der standesbewussten Briten soll der Wohnbereich aber natürlich auch repräsentativ sein und jederzeit einen guten Eindruck machen. Nicht zuletzt als „Tea-Room“ spielt das Wohnzimmer in der britischen Wohnkultur eine große Rolle, denn wo könnte man besser seinen Fünf-Uhr-Tee einnehmen, als auf einem typisch britischen Sofa vor einem prasselnden Kaminfeuer.

Der Kamin für den britischen Wohnstil

Während alle anderen Weltbürger sich längst für Zentralheizungen oder wenigstens geschlossene Öfen entschieden haben, hält der Brite stoisch an seinem offenen Kamin fest. Obwohl ein offenes Kaminfeuer nicht den Komfort einer modernen Heizung oder sogar einer Fußbodenheizung bietet, ist britische Wohnkultur ohne das Knistern und den Duft eines offenen Feuers undenkbar. Allein schon, weil es für wahre Engländer nichts Schöneres gibt, als den Toast über dem Feuer zu rösten. Aber auch das Sims des Kamins ist ein Stück britischer Wohnkultur. Fotos, Uhren oder kleine Nippesfiguren finden hier ihren Platz und auch der Weihnachtsmann wüsste nicht, wo er die Strümpfe aufhängen sollte, wenn kein Kamin mit einem repräsentativen Sims zu finden wäre.

Der Kamin für den britischen Wohnstil

© BananaStock/Thinkstock

Britische Möbel erkennt man auf den ersten Blick

Der Wohnstil der eigensinnigen Insulaner passt zu ihrer Teekultur: Ein Brite lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen und das Sprichwort „My home is my castle“ gilt auch in der kleinsten Mietwohnung. Britische Möbel sind gern ausladend breit und bequem, die Wohntextilien sind romantisch verspielt und spiegeln oft die frischen Blumen wider, die aus der englischen Gartenkultur ihren Weg in die geschwungenen Vasen auf den Beistelltischen finden. Ganz besonders berühmt sind die Polstermöbel im Chesterfield-Stil, die den britischen Wohnstil prägen, seit der Sage nach der vierte Earl of Chesterfield im Jahre 1773 ein „Sofa für Gentlemen“ in Auftrag gegeben haben soll. Bis dahin waren gepolsterte Sessel nämlich eher etwas für Damen. Heraus kam das typisch britische Sitzmöbel mit den hohen Lehnen und der berühmten diagonalen Heftung, die das Leder in die perfekte Form bringt.

Autor: -- Montag, 16. Januar 2012, 15:40 Uhr
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